Anlegen mit dem Heck zur Pier

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Seemannschaft

Manöver > Anlegemanöver

Schiff mit Heck an der Pier vor Mooring

In vielen Mittelmeerhäfen muss man sein Schiff mit dem Heck zur Pier fest machen. Daher muß man mit dem Heck zur Pier anlegen. Dies ist mit oder ohne Motor möglich. Der Bug des Schiffes wird dabei entweder mit dem Anker oder einer speziellen Mooring-Leine befestigt. Diese Art des Anlegens ermöglicht das bequeme Ein- und Aussteigen über das Heck, bei dem weniger artistisches Können verlangt wird als beim Klettern über den Bugkorb. Meist wird zur weiteren Erleichterung eine Planke vom Schiff auf die Pier gelegt. Diesen Vorteil erkauft man sich allerdings mit einer reduzierten Privatsphäre, denn jeder Passant kann ins Cockpit und durch den Niedergang schauen. Das Wohnzimmer steht sozusagen den Blicken Neugieriger offen.

Ein weiterer seemannschaftlicher Nachteil des Anlegens mit der Heckseite zur Pier besteht im erhöhten Risiko, das Ruderblatt an Unterwasserhindernissen zu beschädigen. Man sollte sich also immer vergewissern, dass ausreichend tiefes Wasser und keine querlaufenden Ketten bis hin zur Pier vorhanden sind.

Diese Art des Festmachens wird häufig auch als römisch-katholisch bezeichnet. Dieser Terminus stammt vermutlich daher, dass diese Anlegemethode in den südlichen Ländern üblich ist die immer katholisch sind.

In einigen Ländern, z.B. Kroatien, findet man in nautischen Veröffentlichungen auch den Begriff vierfach Anlegen für das Anlegen mit dem Heck zur Pier mittels zwei Achterleinen und zwei Moorings als Vorleinen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vor dem Anlegen

Wie bei allen Anlegemanövern gibt es einige grundlegende Sachen zu beachten. Diese sind im Artikel Grundsätzliches zu Anlegemanövern zusammengefasst.

Für das Anlegen mit dem Heck zur Pier sind folgende Besonderheiten zu beachten:

  • Von den anderen Schiffen genutzter Anker und Mooringleinen stellen ein zusätzliches Hindernis dar. Geraten sie in die Schraube, ist das Schiff manövrierunfähig. Die Schraube muss sofort ausgekuppelt werden. Taucheinsätze zum Befreien der Schraube oder zum Reparieren zerstörter Mooringleinen sind teuer und zeitaufwendig.
  • Der Springer springt vom Heck aus an Land.
  • Die luvseitige Heckleine ist die wichtigste Leine und sollte mit einem geübten Werfer besetzt werden.
  • Ist eine Mooring vorhanden, so muss deren Sorgleine am Heck aufgenommen werden und zügig, aber ohne Hast nach vorne gebracht werden. Es ist sinnvoll, diese Position mit zwei Leuten zu besetzen.

[Bearbeiten] Das Manöver

Leere Mooring in der Gasse

Vorbereitung des Manövers: Ein bis zwei Kugelfender ans Heck, die Höhe hängt von der Beschaffenheit der Pier ab. Etwa vier Fender werden an jeder Seite des Schiffes ausgebracht. Zur Sicherheit sollte jemand bestimmt werden, der im Fall des Falles mit dem Bootshaken bereit steht, um das Boot von Nachbarliegern frei zu halten. An Festmachern werden zwei Achterleinen benötigt, bei genügend Crew ist jeder Achterleine ein, für die Mooringleine(n) ebenfalls ein bis zwei Crewmitglieder zuzuordnen. Ist das Manöver geplant und sind alle Leute einsatzbereit an ihren Positionen, muss zunächst rückwärts Fahrt aufgenommen werden. Da das Boot sich am besten steuern lässt, wenn es so viel Fahrt hat, dass der Radeffekt vernachlässigbar ist, ist es sinnvoll, einen möglichst langen Anlauf zu nehmen. Unter Umständen kann es dabei sinnvoll sein, in die Gasse bereits rückwärts hinein zu fahren. Ist nur wenig Platz vorhanden, ist es sinnvoll, kurz vor dem Rückwärtsfahren, während das Boot noch nach vorne gleitet, dem Schiff einen Schwung entgegen den Radeffekt zu verpassen, so dass der Radeffekt ein wenig abgefangen wird. Wenn immer möglich, sollte man mit dem Heck zum Wind fahren, denn so kann der Bug nicht unkontrolliert ausbrechen. Steht der Wind in die Gasse hinein, kann es auch sinnvoll sein, die Gasse bis zum Ende zu fahren, um von dort aus rückwärts zurück zum gewählten Liegeplatz zu fahren. Meistens hat man die Wahl zwischen zwei Liegeplätzen auf beiden Seiten des Steges. Dann sollte man denjenigen wählen, bei dem man den Wind ablandig hat, so dass man mit dem Heck zum Wind liegt. Der Liegeplatz lässt sich zum einen erheblich leichter ansteuern, zum anderen besteht nicht die Gefahr, dass man bei rutschendem Anker oder Mooringklotz auf den Kai/Steg gedrückt wird.

Mooringleinen in der Gasse

Wichtig ist es auch, möglichst mittig durch die Gasse zu fahren. Das verringert die Gefahr, mit dem Schiff in die stramm gespannten Mooringleinen oder Ankerketten zu gelangen (siehe Bild).

Ausrichtung mit Luv-Leine und Motor

An dem ausgewählten Liegeplatz dreht man ein und fährt mit dem Heck so nahe an die Pier ran, dass der Springer an Land gehen kann und die luvseitige Heckleine, die er zugeworfen bekommt, zügig fest machen kann. Dabei unbedingt darauf achten, dass der Bug nicht allzu sehr über schwingt. Auch darf man nicht vergessen, dass der Drehpunkt des Schiffes irgendwo in der Mitte liegt und somit der Bug in die dem Liegeplatz gegenüberliegende Seite schwingen wird. Auf der Seite darf man nicht zu nahe an den dort fest gemachten Schiffen sein. In den meisten Fällen kann man nun bereits mit Motorunterstützung das Schiff auf Position halten (Eindampfen in die Achterleine, siehe Bild). Dazu legt man das Ruder zunächst hart in Richtung des Windes und kann nun mit dem Gashebel die Ausrichtung des Schiffes zum Steg beeinflussen. Dabei ist nicht nur auf die Gassstellung, sondern auch auf balanciertes Ruderlegen zu achten - Luvruder bewirkt, das der Bug zum Wind gedreht wird, gleichzeitig dreht jedoch das Heck - dem angeströmten Ruder entsprechend - vom Wind weg und kommt in dieser Situation der Mole und dem leeseitigen Nachbarlieger näher. Leeruder wirkt dem entgegen. Die Ruderlage beeinflusst somit die Rotation des Schiffes, die Gasstellung die Position am Liegeplatz. Kommt der Wind direkt von vorn auf den Steg zu, sollten nach Möglichkeit beide Heckleinen zügig befestigt werden. In allen Fällen kann man sich danach in Ruhe daran machen, die Mooring-Leine zu greifen, nach vorne zu tragen und dort zu befestigen. Dabei immer darauf achten, dass die Leine nicht in die noch drehende Schraube gelangt.

[Bearbeiten] Einhand Anlegen mit Mooring

Während man häufiger Mannschaften ausreichender Stärke lautstark und mit viel Hektik an Bord anlegen sieht, legen gleichzeitig nebenan andere Seglerinnnen und Segler einhand oder zu zweit sicher und ohne Hast an.

Natürlich freut sich mitunter auch diese/r, wenn ihr/ihm jemand an Land eine Leine annimmt, aber ansonsten läuft es meist rund genug, dass man im Gegenteil auch mit ausreichend großer Mannschaft davon lernen kann.

Nachfolgend sei exemplarisch (!) ein Manöver beschrieben, das ich mal in einem Hafen an der Westküste Korsikas bei über 40 kn aus NW auf See beobachtete. Das Boot war gut elf Meter lang. Die Besatzung bestand aus einem Skipper, einem Kleinkind und einer Frau, die auf das Kind aufpasste, also de fakto einhand. Die Anlegestelle bestand aus einem festen Steg, an dem man mit Heck oder Bug voraus anlegte und das Boot seewärts an einer Mooringsboje vertäute. Dabei böige ca. 20 kn Wind schräg von der Seite.

  • Der Skipper hat die Segel bereits vor der Hafeneinfahrt geborgen, dreht unter Maschine eine Hafenrunde oder zwei und findet schließlich eine Lücke von ca. 8 m Breite im Lee einer größeren Segelyacht zum Schutz gegen den Seitenwind.
  • Er belegt das Ruder im relativ großen Hafenbecken auf hart Backbord und läßt die Maschine eingekuppelt, so dass das Boot langsame Kreise dreht. Derweil bringt er an beiden Seiten Fender aus, bugsiert ein Schlauchboot vom Vordeck ins Wasser und bindet es mit dessen Heck- und Bugleine quer zur Fahrtrichtung ans Heck der Segelyacht. Anschließend bereitet er noch eine lange Vorleine und zwei Heckleinen vor.
  • Der Skipper geht wieder ans Ruder und fährt rückwärts in die vorher ausgesuchte Lücke. Kurz vor der Pier stoppt er auf und legt dann wieder den Rückwärtsgang ein, so dass sein Boot das Schlauchboot gegen den Steg drückt. Das Schlauchboot dient also als Fender.
  • Der Skipper belegt das Ruder mittschiffs, wirft die beiden Heckleinen an Land und steigt gegebenenfalls selber über, um sie dort festzumachen, falls dies nicht bereits eine helfende Hand an Land erledigt. Anschließend entert er wieder seine Yacht und belegt die Heckleinen in einer Länge, die einer Distanz zum Land von etwa zwei bis drei Metern entspricht.
  • Das Ruder bleibt belegt, aber nun wird die Maschine ausgekuppelt und der Vorwärtsgang eingelegt. Hier kann je nach Windverhältnissen auch das Gas etwas erhöht werden. Nun "hängt" das Boot in seinen Heckleinen stabil und das Schlauchboot ist wieder frei.
  • Da in diesem Hafen keine Moorings am Steg liegen, sondern Mooringsbojen vorhanden sind, besteigt der Skipper sein Schlauchboot und verholt sich entlang seiner Yacht nach vorne, greift sich die Vorleine und macht die Yacht an der Boje fest. Anschließend geht er an Bord, holt die Vorleine gut durch und belegt sie wieder. Anschließend wird nochmal der Rückwärtsgang eingelegt, um zu prüfen, ob die Länge der Vorleine angemessen ist und die Heckleinen werden in geeigneter Entfernung zum Land verkürzt.

Man sollte sich bei diesem Manöver klar machen, dass es nicht universell ist, sondern von bestimmten Randbedingungen abhängt und sich vorher überlegen, bei welchen Verhältnissen es nicht funktioniert und welche Alternativen existieren. Man kann dabei aber lernen, dass es nicht notwendig ist, Dinge parallel zu machen, sondern die meisten Manöver einem streng seriellen Ablauf folgen können und meist auch sollten.

  • Mit einem Hausboot, einer Motoryacht ist es bei einer Zweiercrew ähnlich. Nur wir bringen die großen Kugelfender nicht sofort aus, sondern erst nach dem die Heckleinen zumindest provisorisch belegt sind. Die Kugelfender verursachen sonst einen sogenannten Ballefekt, das heißt, das Boot springt zurück, wenn man etwas zu schnell an der Pier anstößt. Meine Frau springt dann an Land und belegt provisorisch. Ich der Skipper gehe bei noch laufender Maschine auch über die Hecktreppe und Badeplattform an Land und mache dann mit den Fendern richtig fest. Je nach Wind wird auch noch eine Spring gelegt. Die Richtung beim Rückwärtsfahren wird mit dem Bugstrahlsruder korrigiert. Wenn man sich auf der Flybridge mit dem Rücken zum Ruderstand stellt, das Ruder also im Rücken, wie ebenso das Buhstrahlruder bedient, dann kann man fast so gut nach achtern fahren wie voraus. Bei Wind macht man die Luv-Leine achtern zuerst fest. Feuer aus, also Maschine aus, erst wenn das Boot fest und gut liegt.
  • In Masuren gibt es jetzt eine neue Methode. Am Poller des Jetties oder der Hafenmole ist eine Ankerleine festgemacht. Diese führt zu einem fest verankerten Block in einem ausreichenden Abstand. Der Skipper nimmt also die Leine am Poller mit dem Bootshaken auf und führt sie zum Bug, holt sie dicht und macht sie an der Bugklampe fest. Diese Methode ist besser als die Mooringbojen. Allerdings darf man die Leine nur mit dem Bootshaken aufholen, da oft Angelhaken und sonstiges daranhängen und die dann zu Verletzungen führen können.

[Bearbeiten] Verschiedene Beispiele

Im folgenden finden sich einige Beispiele. Bei all diesen Beispielen wurde ausser dem Wind keine weitere Größe zur Entscheidungsfindung genutzt. Sie sind gewissermaßen idealisiert. Oftmals ist man aufgrund der freien Liegeplätze oder aus Mangel an Platz zum Schwungholen für das Rückwärtsfahren viel eingeschränkter in der Wahl des Liegeplatzes und des Manövers. Auch müssen die Manövriereigenschaften des Schiffes bedacht werden. In Masuren hat jeder Segler einen Outbord am Heck. Mit diesem kann man wunderbar in die kleinste Lücke einfahren, die Mooringleine am Poller aufnehmen, dichtholen und an der Bugklampe festmachen. Hausboote müssen mit dem Bugstrahlruder versuchen einen Floatingjetty so zu erreichen, dass der Wind sie an den Jetty drückt. Im "Masuren Waterway Guide" sind Links zu finden die für jede Marina die aktuellen Windstärken und- Richtungen zeigen.

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