Reffen: Unterschied zwischen den Versionen

aus SkipperGuide, dem Online-Revierführer über die Segelreviere der Welt.

Wechseln zu: Navigation, Suche
 
(8 dazwischenliegende Versionen von 8 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 23: Zeile 23:
  
  
Das '''Reffen''' ist eine Verkleinerung der [[Segel]]fläche(n) bei Starkwind und höher und dennoch einen Antrieb unter Segeln zu erreichen. Gereffte Segel vermeiden ein Reißen des Materials bzw. gar des Kenterns und Mastbruches.
+
Das '''Reffen''' ist eine Verkleinerung der [[Segel]]fläche(n), die bei zunehmendem Wind geboten ist, wenn bei stärkerem Wind  weiterhin sicher gesegelt werden soll. Das Reffen schont das Rigg des Schiffes, reduziert die Luvgierigkeit und Krängung, verändert die Steuerungsfähigkeit und reduziert die Gefahr der Kenterung oder eines Mastbruches.
  
Die weggenommenen Flächen werden bei großen Segeln mit Reffbändseln festgebunden.
+
Die weggenommenen Flächen werden bei großen Segeln mit Reffbändseln eingebunden.
  
 
Ein komplettes Reffen ist das Segelbergen (dann nicht mehr Reffen genannt).
 
Ein komplettes Reffen ist das Segelbergen (dann nicht mehr Reffen genannt).
  
 
== Timing ==
 
== Timing ==
Die Vorbereitung zum Reffen bzw. die Idee überhaupt zu reffen sollte vom Skipper lieber zu früh als zu spät getroffen werden.
+
Die Vorbereitung zum Reffen und das Reffen selbst muss vom Skipper rechtzeitig eingeleitet werden.
Ist also aufgrund von abnehmender Landabdeckung, des Wetterberichts oder Wetterbeobachtungen davon auszugehen, daß der Wind zunimmt, so macht es stets Sinn früh zu reffen.  
+
 
Spätestens, wenn das Schiff so viel Luvgier entwickelt, daß der Rudergänger deutlichen Ruderdruck spürt und in Böen stark Gegenruder geben muß wird es Zeit ein Reff einzulegen.
+
'''Faustregel''': Wann reffst Du? Wenn Du das erste mal daran denkst!
Wer übrigens meint mit mehr Segelfläche schneller zu sein, der irrt. Durch die einsetzende Luvgier des Lage schiebenden Schiffes wird es nötig mittels Ruderlegen das Schiff auf Kurs zu halten, was natürlich Energie -und damit Geschwindigkeit- kostet und das Rigg nur unnötig belastet.
+
 
 +
Ist also durch abnehmende Landabdeckung, Vorhersagen des Wetterberichts oder Wetterbeobachtungen davon auszugehen, daß der Wind zunimmt, so macht es stets Sinn, früh zu reffen.  
 +
Spätestens, wenn das Schiff so viel Luvgier entwickelt, daß der Rudergänger deutlichen Ruderdruck spürt und in Böen stark Gegenruder geben muß, ist es höchste Zeit ein Reff einzulegen.
 +
Wer übrigens meint, mit mehr Segelfläche schneller zu sein, der irrt. Durch die einsetzende Luvgier des Lage schiebenden Schiffes wird es nötig, mittels Ruderlegen das Schiff auf Kurs zu halten, was natürlich Energie -und damit Geschwindigkeit- kostet und zusätzlich das Rigg unnötig belastet.
  
 
== Vorbereitung ==
 
== Vorbereitung ==
  
Vor dem Reffen muß klar sein, wie dies bei dem Schiff, daß gesegelt wird, von statten geht. Zu beachten sind z.B.:
+
Vor dem Reffen muß klar sein, wie dies bei dem Schiff, das gesegelt wird, von statten geht. Zu beachten sind z. Bsp.:
 
* Ist das Reffsystem ein Einleinen-Reffsystem oder muß ein Reffhaken am Mast verwendet werden?
 
* Ist das Reffsystem ein Einleinen-Reffsystem oder muß ein Reffhaken am Mast verwendet werden?
 +
* Welcher Reffhaken wird für das erste, zweite oder dritte Reff verwendet?
 
* Sind Lazy-Jacks vorhanden?
 
* Sind Lazy-Jacks vorhanden?
 +
* Gibt es Rollsystem für das Segel?
  
Ebenfalls ist die Crew Einzuweisen und Positionen sind zu verteilen.
+
Die Crew ist im Rahmen der Sicherheitseinweisung grundsätzlich in das Reffmanöver einzuweisen.
Bei der Verwendung eines Reffhakens am Mast ist darauf zu achten, daß die Person sich am Mast sichert.
+
Das Reffmanöver wird vom Bootsführer vorbereitet, indem er den einzelnen Crewmitgliedern die Rollen und Aufgaben des anstehenden Reffmanövers zuweist. Hierzu gehört auch die Vorgabe, ob auf Reff 1 oder Reff 2 gerefft wird. Bei der Verwendung eines Reffhakens am Mast ist darauf zu achten, daß die Person sich am Mast sichert.
  
 
== Ablauf ==
 
== Ablauf ==
Zeile 48: Zeile 53:
 
Hier wird der Ablauf des Reffens mit Reffhaken erklärt.
 
Hier wird der Ablauf des Reffens mit Reffhaken erklärt.
  
1. Der Rudergänger bringt das Schiff hoch an den Wind, dadurch richtet sich das Schiff ein wenig auf und verringert die Fahrt.
+
* Der Rudergänger bringt das Schiff hoch an den Wind, dadurch richtet sich das Schiff ein wenig auf und verringert die Fahrt.
2. Die Person, die zuständig ist für den Reffhaken begibt sich zum Mast.
+
* Die Person, die für den Reffhaken zuständig ist, begibt sich zum Mast.
3. Die Großschot wird losgeworfen
+
* Die Großschot wird losgeworfen.
3a. Eine eventuell vorhandene Dirk wird durchgesetzt.
+
* Eine eventuell vorhandene Dirk wird durchgesetzt.
4. Das Großfall wird durchgefiert. Hierbei müssen sich der "Mastmann" und derjenige am Klavier miteinander "kurzschließen" um das Großsegel nicht zu weit oder zu wenig nierzuholen.
+
* Das Großfall wird langsam gefiert und am Reffhaken (Mast) dichtgeholt. Hierbei müssen sich der "Mastmann" und derjenige am Großfall (Klampenklavier) miteinander "kurzschließen", um das Großsegel nicht zu weit oder zu wenig niederzuholen.
5. Sobald vom Mast die Rückmeldung kommt, daß die Reffkausch sitzt wird das Großfall durchgesetzt.
+
* Sobald vom Mast die Rückmeldung kommt, daß die Reffkausch sitzt, das Groß also in den Reffhaken eingehakt wurde, wird das Großfall durchgesetzt.
6. Die Person vom Mast kommt wieder in die Plicht
+
* Die Person vom Mast kehrt zurück in die Plicht.
7. Die Reffleine wird durchgesetzt um das neue Unterliek auszubilden und das Segel flach zu trimmen.
+
* Die Reffleine wird durchgesetzt, um das neue Unterliek auszubilden und das Segel flach zu trimmen.
7a. Dirk wird durchgefiert.
+
* Die Dirk wird gefiert.
8. Die Großschot wird dichtgeholt.
+
* Die Großschot wird dichtgeholt.
  
 
Bei Großsegeln ohne Lazy-Jacks ist darauf zu achten, daß das Großsegel beigebunden werden muß, so daß man unter dem Großbaum noch hindurchblicken kann.
 
Bei Großsegeln ohne Lazy-Jacks ist darauf zu achten, daß das Großsegel beigebunden werden muß, so daß man unter dem Großbaum noch hindurchblicken kann.
Dies kann auch nach dem Reff-Vorgang geschehen, wenn das Groß wieder dichtgezogen ist. Ein hoher Amwindkurs mindert hier die Krängung und das dichtgezogene Groß steht stabiler als ein killendes Großsegel. Da beide Hände für diese Tätigkeit gebraucht werden ist darauf zu achten, daß niemand den halt verliert und über Bord geht.
+
Dies kann auch nach dem Reff-Vorgang geschehen, wenn das Groß wieder dichtgeholt ist. Ein hoher Amwindkurs mindert hier die Krängung und das dichtgeholte Groß steht stabiler als ein Killendes. Da beide Hände für diese Tätigkeit gebraucht werden, ist darauf zu achten, daß nur ein gesichertes Crewmitglied dieses durchführt. Weiter ist darauf zu achten, dass die Reffbänder im Segel nicht unter Spannung stehen. Die Durchführungen der Leinen im Segel können keine Kraft aufnehmen und es besteht die Gefahr des Leinenbruchs.
  
 
== Reffen des Vorsegels ==
 
== Reffen des Vorsegels ==
  
Ein Reffen des Vorsegels ist über eine Rollanlage möglich. Vorteil dieser Variante ist, daß das Vorsegel nicht komplett niedergeholt und durch ein anderes Vorsegel ersetzt werden muß, sondern lediglich eingerollt werden muß.
+
Ein Reffen des Vorsegels ist z. Bsp. über eine Rollreffanlage (wenn vorhanden) möglich. Vorteil dieser Variante ist, daß das Vorsegel nicht komplett niedergeholt und durch ein anderes Vorsegel ersetzt werden muß, sondern lediglich eingerollt werden muß.
 
Nachteil ist, daß eine auf Fockgröße eingerollte Genua selten gut steht und die Belastung für das Segel durch Knicken des Segeltuchs hoch ist.
 
Nachteil ist, daß eine auf Fockgröße eingerollte Genua selten gut steht und die Belastung für das Segel durch Knicken des Segeltuchs hoch ist.
  
Ein Niederholen des Segels und vollständiges Ersetzen durch ein kleineres Vorsegel ist dem Einsatz der Rollanlage vorzuziehen.
+
Eine Fock lässt sich durch Reff verkleinern. Die o.g. Nachteile entstehen dann nicht.
 +
 
 +
Ein Niederholen des Segels und vollständiges Ersetzen durch ein kleineres Vorsegel ist dem Einsatz der Rollreffanlage aus seglerischen Gründen vorzuziehen. Bei kleinen oder ungeübten Crews ist das Roll-Vorsegel ("Roll-Genua") aber eine sichere Option.
 +
 
 +
Acht geben sollte man beim Niederholen/Heißen des Vorsegels auf den Segelsack. Dieser sollte an den Relingsstützen fixiert sein um nicht nach Setzen des Segels über Bord zu gehen.
 +
Ebenfalls ist die Struktur des Segelsacks zu beachten. Die Seite mit dem kurzen Reißverschluss gehört dem Hals bzw. dem Kopf, so daß man den Segelsack beim Anschlagen des Segels nicht schon ganz öffnen muß.
 +
 
 +
== Reffen in Legerwallsituationen ==
 +
 
 +
Reffen in Legerwallsituationen will gut überlegt sein. Je weniger Segelfläche am Wind ist, desto größer ist die Abdrift des Schiffes. Dies gilt es beim Freikreuzen aus einer Legerwallsituation zu bedenken.
 +
Ebenfalls ist unter Sturmbesegelung zu beachten, daß wenig Höhe gefahren werden kann, man darf also nicht wie unter normaler Besegelung anfangen zu "kreuzen", da man durch die große Abdrift ansonsten bestenfalls nur auf der Stelle kreuzt ohne Höhe gutzumachen.
 +
 
  
 
== Weblinks ==
 
== Weblinks ==

Aktuelle Version vom 18. Juni 2019, 10:02 Uhr

Dieser Artikel ist ein "Stub". Du bist herzlich eingeladen, ihn zu erweitern.
Anregungen für Struktur und Inhalt eines Artikels gibt es unter SkipperGuide:Muster.
Seemannschaft

Manöver


Das Reffen ist eine Verkleinerung der Segelfläche(n), die bei zunehmendem Wind geboten ist, wenn bei stärkerem Wind weiterhin sicher gesegelt werden soll. Das Reffen schont das Rigg des Schiffes, reduziert die Luvgierigkeit und Krängung, verändert die Steuerungsfähigkeit und reduziert die Gefahr der Kenterung oder eines Mastbruches.

Die weggenommenen Flächen werden bei großen Segeln mit Reffbändseln eingebunden.

Ein komplettes Reffen ist das Segelbergen (dann nicht mehr Reffen genannt).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Timing

Die Vorbereitung zum Reffen und das Reffen selbst muss vom Skipper rechtzeitig eingeleitet werden.

Faustregel: Wann reffst Du? Wenn Du das erste mal daran denkst!

Ist also durch abnehmende Landabdeckung, Vorhersagen des Wetterberichts oder Wetterbeobachtungen davon auszugehen, daß der Wind zunimmt, so macht es stets Sinn, früh zu reffen. Spätestens, wenn das Schiff so viel Luvgier entwickelt, daß der Rudergänger deutlichen Ruderdruck spürt und in Böen stark Gegenruder geben muß, ist es höchste Zeit ein Reff einzulegen. Wer übrigens meint, mit mehr Segelfläche schneller zu sein, der irrt. Durch die einsetzende Luvgier des Lage schiebenden Schiffes wird es nötig, mittels Ruderlegen das Schiff auf Kurs zu halten, was natürlich Energie -und damit Geschwindigkeit- kostet und zusätzlich das Rigg unnötig belastet.

[Bearbeiten] Vorbereitung

Vor dem Reffen muß klar sein, wie dies bei dem Schiff, das gesegelt wird, von statten geht. Zu beachten sind z. Bsp.:

  • Ist das Reffsystem ein Einleinen-Reffsystem oder muß ein Reffhaken am Mast verwendet werden?
  • Welcher Reffhaken wird für das erste, zweite oder dritte Reff verwendet?
  • Sind Lazy-Jacks vorhanden?
  • Gibt es Rollsystem für das Segel?

Die Crew ist im Rahmen der Sicherheitseinweisung grundsätzlich in das Reffmanöver einzuweisen. Das Reffmanöver wird vom Bootsführer vorbereitet, indem er den einzelnen Crewmitgliedern die Rollen und Aufgaben des anstehenden Reffmanövers zuweist. Hierzu gehört auch die Vorgabe, ob auf Reff 1 oder Reff 2 gerefft wird. Bei der Verwendung eines Reffhakens am Mast ist darauf zu achten, daß die Person sich am Mast sichert.

[Bearbeiten] Ablauf

Hier wird der Ablauf des Reffens mit Reffhaken erklärt.

  • Der Rudergänger bringt das Schiff hoch an den Wind, dadurch richtet sich das Schiff ein wenig auf und verringert die Fahrt.
  • Die Person, die für den Reffhaken zuständig ist, begibt sich zum Mast.
  • Die Großschot wird losgeworfen.
  • Eine eventuell vorhandene Dirk wird durchgesetzt.
  • Das Großfall wird langsam gefiert und am Reffhaken (Mast) dichtgeholt. Hierbei müssen sich der "Mastmann" und derjenige am Großfall (Klampenklavier) miteinander "kurzschließen", um das Großsegel nicht zu weit oder zu wenig niederzuholen.
  • Sobald vom Mast die Rückmeldung kommt, daß die Reffkausch sitzt, das Groß also in den Reffhaken eingehakt wurde, wird das Großfall durchgesetzt.
  • Die Person vom Mast kehrt zurück in die Plicht.
  • Die Reffleine wird durchgesetzt, um das neue Unterliek auszubilden und das Segel flach zu trimmen.
  • Die Dirk wird gefiert.
  • Die Großschot wird dichtgeholt.

Bei Großsegeln ohne Lazy-Jacks ist darauf zu achten, daß das Großsegel beigebunden werden muß, so daß man unter dem Großbaum noch hindurchblicken kann. Dies kann auch nach dem Reff-Vorgang geschehen, wenn das Groß wieder dichtgeholt ist. Ein hoher Amwindkurs mindert hier die Krängung und das dichtgeholte Groß steht stabiler als ein Killendes. Da beide Hände für diese Tätigkeit gebraucht werden, ist darauf zu achten, daß nur ein gesichertes Crewmitglied dieses durchführt. Weiter ist darauf zu achten, dass die Reffbänder im Segel nicht unter Spannung stehen. Die Durchführungen der Leinen im Segel können keine Kraft aufnehmen und es besteht die Gefahr des Leinenbruchs.

[Bearbeiten] Reffen des Vorsegels

Ein Reffen des Vorsegels ist z. Bsp. über eine Rollreffanlage (wenn vorhanden) möglich. Vorteil dieser Variante ist, daß das Vorsegel nicht komplett niedergeholt und durch ein anderes Vorsegel ersetzt werden muß, sondern lediglich eingerollt werden muß. Nachteil ist, daß eine auf Fockgröße eingerollte Genua selten gut steht und die Belastung für das Segel durch Knicken des Segeltuchs hoch ist.

Eine Fock lässt sich durch Reff verkleinern. Die o.g. Nachteile entstehen dann nicht.

Ein Niederholen des Segels und vollständiges Ersetzen durch ein kleineres Vorsegel ist dem Einsatz der Rollreffanlage aus seglerischen Gründen vorzuziehen. Bei kleinen oder ungeübten Crews ist das Roll-Vorsegel ("Roll-Genua") aber eine sichere Option.

Acht geben sollte man beim Niederholen/Heißen des Vorsegels auf den Segelsack. Dieser sollte an den Relingsstützen fixiert sein um nicht nach Setzen des Segels über Bord zu gehen. Ebenfalls ist die Struktur des Segelsacks zu beachten. Die Seite mit dem kurzen Reißverschluss gehört dem Hals bzw. dem Kopf, so daß man den Segelsack beim Anschlagen des Segels nicht schon ganz öffnen muß.

[Bearbeiten] Reffen in Legerwallsituationen

Reffen in Legerwallsituationen will gut überlegt sein. Je weniger Segelfläche am Wind ist, desto größer ist die Abdrift des Schiffes. Dies gilt es beim Freikreuzen aus einer Legerwallsituation zu bedenken. Ebenfalls ist unter Sturmbesegelung zu beachten, daß wenig Höhe gefahren werden kann, man darf also nicht wie unter normaler Besegelung anfangen zu "kreuzen", da man durch die große Abdrift ansonsten bestenfalls nur auf der Stelle kreuzt ohne Höhe gutzumachen.


[Bearbeiten] Weblinks

Reffen bei Wikipedia
Verwaltung
Social Net
Google AdWords
SkipperGuide 
Film Community | Segel-Blog kostenlos | Segel T-Shirts | Regatta T-Shirts | Segel Community