Segelscheine: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 4. Januar 2012, 08:52 Uhr

Seemannschaft

Diverses > Segelscheine

Übersicht Segelscheine (Deutschland) und sonstige Qualifikationen
Für eine Übersicht der Schweizer Segelscheine: Segelscheine_Schweiz

es gibt eine große Reihe von Segelscheinen in Deutschland, die teilweise verpflichtend und teilweise freiwillig sind. Freiwillige Scheine sind Befähigungsnachweise z.B. gegenüber Versicherungen, aber auch gegenüber Verchartern oder auch gegenüber potentiellen Mitfahrern. Diese Seite gibt einen kurzen Überblick.

Zunächst einmal sind die Führerscheine von Funkzeugnissen und pyrotechnischem Schein (mittlerweile: Fachkundenachweis) zu unterscheiden. In der nicht-gewerblichen Sportbootschifffahrt hängt die Führerscheinvorschrift hauptsächlich vom befahrenen Revier und daneben gelegentlich auch von der Größe und Art des Boots ab.

Vorschriften können sich von Amts wegen oder aus Verbandsvorschriften des DSV in seiner Eigenschaft als Mitglied der ISAF ergeben. Verbandsvorschriften von DSV und ISAF sind ausschließlich bei der Teilnahme an Regatten von Belang.

Die meisten Scheine werden durch regional zuständige Prüfungsausschüsse (PA) erteilt, die vom DSV und vom DMYV eingesetzt werden, die damit wiederum vom Bundesverkehrsministerium beauftragt wurden.

Inhaltsverzeichnis


Segelscheine

Binnenreviere

Für viele Binnenreviere ist gar kein Schein vorgeschrieben. In der Regel erfährt man bei den regional zuständigen Landratsämtern und Wasserschifffahrtsdirektionen die jeweiligen Vorschriften.

  • SBF Binnen (Sportbootführerschein Binnen) - insbesondere vorgeschrieben für das Führen eines Boots unter Motor (ab 5 PS) mit unter 15 m Länge auf Binnenschifffahrtstraßen. Den SBF-Binnen gibt es jeweils für Fahrzeuge unter Motor, unter Segeln und/oder für Segelsurfer. Der SBF-Binnen für Segelfahrzeuge ohne Motor (oder mit Motoren unter 5 PS) ist in der Regel nicht vorgeschrieben, mit Ausnahme von Teilen der Berliner Gewässer. Mit der Ausprägung unter Segeln oder für Segelsurfer wird der Schein auch als Regattaberechtigung auf Binnenrevieren anerkannt.
  • Sportschifferzeugnis E - auf Binnenschifffahrtsstrassen vorgeschrieben für alle Sportboote zwischen 15 m und 25m.
  • Bodenseeschifferpatent - aufgrund der Lage des Bodensee zwischen drei verschiedenen Ländern gelten dort besondere Regeln. Daher ist ein gesonderter Führerschein erforderlich, wenn man Boote mit über 12 qm Segelfläche oder mit Motor führen will. Der SBF Binnen oder andere Scheine der Sportschiffahrt werden jedoch als Erfahrungsnachweis zur Erteilung eines kostenpflichtigen Gastpatents durch die örtlichen Landratsämter (in D beispielsweise Konstanz oder Friedrichshafen) für einen kurzen Zeitraum von 30 Tagen im Jahr ebenfalls anerkannt (sog. "Ferienpatent").
  • Sportsegelschein / SPOSS - nichtamtlicher Segelschein des DSV, der insbesondere die Berechtigung zur Teilnahme an Regatten beinhaltet. Er wird durch die Vereine des DSV in Eigenregie nach Rahmenrichtlinien des DSV erteilt. Sein Prüfungsumfang orientiert sich stark an den lokalen Gegebenheiten.

Seereviere

  • SBF See (Sportbootführerschein See) - vorgeschrieben im Gültigkeitsbereich der Seeschifffahrtsstrassenordnung (s.a. SeeSchStrO, Anlage 1 (gif) ) für Motorfahrzeuge über 5 PS. Darunter fallen auch Segelyachten, die mit einem Motor über 5 PS ausgestattet sind. Der SBF See ist ein reiner Motorbootschein, bei dem keine Segelkenntnisse erforderlich sind.
  • SKS (Sportküstenschifferschein) - freiwilliger Schein zum Führen von Segelyachten innerhalb einer 12-sm-Zone (da der Schein freiwillig ist, sorgt der "Geltungsbereich" häufig für Irritationen und hat auch nur Bedeutung in Zusammenhang mit der Berechtigung zur Teilname an Regatten)
  • SSS (Sportseeschifferschein) - freiwilliger Schein zum Führen von Segelyachten innerhalb einer 30-sm-Zone, einschließlich gesamtem Mittelmeer, Nord- und Ostsee. Vorgeschrieben für die kommerzielle Schiffsführung in deutschen Gewässern.
  • SHS (Sporthochseeschifferschein) - freiwilliger Schein zum Führen von Segelyachten auf weltweiter Fahrt.

Die Kaskoversicherungen der Charteryachten verlangen mitunter den SKS, SSS oder SHS als formalen Befähigungsnachweis, eine Segelyacht führen zu können. Unabhängig davon sollte der Prüfungsumfang dieses Scheins beherrscht werden, der im Bereich Seemannschaft und Navigation deutlich über die Anforderungen des SBF See hinausgeht.

Welcher Schein für wen und wo?

Welche Scheine auf welchen Gewässern in Deutschland verlangt werden, beantwortet die Web-Seite des "Elektronisches Wasserstraßeninformationssystem (ELWIS) der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes". Nachfolgend einige Beispiele:

Segeln ohne Maschine auf Binnenrevieren 
in Berlin Sportbootführerschein Binnen erforderlich
Boot mit Motor auf Binnenrevieren 
häufig Sportbootführerschein Binnen mit Motorteil erforderlich
Jollensegeln auf Seerevieren 
kein Schein erforderlich
Yachtsegeln auf Seerevieren 
ausstattungsabhängig, meist Sportbootführerschein See und Funkzeugnis
Yachtcharter auf Seerevieren 
gelegentlich wird von der Versicherung zusätzlich ein Segelschein als Befähigungsnachweis verlangt

Funk Scheine

Funk-Scheine auf skipperguide.de

Weitere Scheine

Pyrotechnischer Schein - der Fachkundenachweis für Seenotsignalmittel gemäß Sprengstoffrecht ist hauptsächlich für Erwerb, Transport und häusliche Lagerung von Signalpistole und Signalmittel der Klasse T2 (Signalraketen) erforderlich. Für andere an Bord typischerweise verwendete, pyrotechnische Seenotsignalmittel wie Blitze samt Abschußgerät, Rauchtöpfe oder Handfackeln ist er nicht erforderlich. Die PA von DSV und DMYV erteilen ihn nur bei erteiltem Sportbootführerschein See. Früher bestand er aus einem Zusatzvermerk auf einem Sportbootführerschein oder sonstigen Segelschein.


Spezielle Scheinpflichten

gewerbliche Nutzung auf Seerevieren

Für Skipper, die gewerblich tätig sind gelten weitaus umfangreichere Führerscheinvorschiften, die in der See-Sportbootverordnung und SportSeeSchV festgelegt sind. Für die Bestimmung der Regelbesatzung muss zwischen der gewerbsmäßigen Nutzung von

  • Sportbooten und der von
  • Traditionsschiffen

differenziert werden.

Regelbesatzung von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten [1].

Rumpflänge Fahrtbereich Besetzung
Bis 15 m Rumpflänge Bis zu 300 Meter Abstand vom Ufer
bei entsprechender Einzelfallgenehmigung
1 x SBF See
Küstennahe Seegewässer (bis 12 sm) 1 x SKS
Küstennahe Seegewässer (bis 30 sm) 1 x SSS
Weltweite Fahrt 1 x SHS
1 x SSS
über 15 m bis 25 m Rumpflänge Küstengewässer (bis 12 sm) 1 x SKS
Küstennahe Seegewässer (bis 30 sm) 2 x SSS
Weltweite Fahrt 2 x SHS
über 25 m Rumpflänge Küstengewässer (bis 12 sm) 2 x SKS
Küstennahe Seegewässer (bis 30 sm) 2 x SSS
Weltweite Fahrt 2 x SHS

Regelbesatzung von Traditionsschiffen [2].

Rumpflänge Fahrtbereich Nautische Besetzung Technische Besetzung
15 m bis 25 m in Küstengewässern und küstennahen Seegewässern 1 x SSS oder
1 x SBF See + Sportseeschifferzeugnis
-
in weltweiter Fahrt 1 x SHS oder
1 x SBF See + Sporthochseeschifferzeugnis und 1 x SSS oder 1 x SBF See + Sportseeschifferzeugnis
-
über 25 m bis 55 m in Küstengewässern und küstennahen Seegewässern 2 x SSS + Zusatzeintrag nach § 1 Abs. 5 und § 10 Abs. 2 auf Segelschiffen ein Inhaber eines Befähigungsnachweises für Maschinisten auf Traditionsschiffen (Motor)
in weltweiter Fahrt 3 x SHS + Zusatzeintrag nach § 1 Abs. 5, § 10 Abs. 2 auf Maschinenfahrzeugen 2 x Befähigungsnachweises für Maschinisten auf Traditionsschiffen (Motor oder Dampf, je nach Antriebsanlage)

Weitere Vorschiften gelten für Fahrzeiten von über 10 Stunden. Die Detail dazu sind, wie ggf. aktuellere Regelungen, der See-Sportbootverordnung und SportSeeSchV zu entnehmen.

Traditionsschiffe

Für Führer von Traditionsschiffen und Maschinisten auf Traditionsschiffen bis 55m Länge gelten noch zahlreiche weitere Regelungen und Anforderungen, die in der SportSeeSchV [3] nachzulesen sind. Diese Kenntnisse können mit dem Eintrag Traditionschiffer im SSS oder SHS nachgewiesen werden.

Sonstiges

Früher gab es in Deutschland die Scheine A, R, BR, BK, C, teilweise optional mit Motorteil. Diese Scheine waren vom DSV ausgestellt und sind nicht amtlich. Sie wurden durch die amtlichen Scheine SBF Binnen, SKS, SSS und SHS abgelöst und werden mittlerweile nicht mehr erteilt. Ein Umschreiben in ihre amtlichen Pendants ist gegen Gebühr beim DSV möglich, aber nicht nötig, da sie unverändert gültig sind.

Ein weiterer Weg, zu SHS oder SSS zu kommen, bot sich eine Zeitlang über Seefahrtsschulen, die nach ausschließlich theoretischer Prüfung das Sportseeschifferzeugnis bzw. das Sporthochseeschifferzeugnis erteilten. Bei Vorlage eines Seemeilennachweis über 1000 nm bzw. 2000 nm wurden diese dann in SSS bzw. SHS umgeschrieben.

Weblinks

juristische Quellen

Quellen

  1. Verordnung über die Inbetriebnahme von Sportbooten und Wassermotorrädern sowie deren Vermietung und gewerbsmäßige Nutzung im Küstenbereich - Anlage 4 (zu § 15 Abs. 2) [1]
  2. Verordnung über den Erwerb von Sportsee- und Sporthochseeschifferscheinen und die Besetzung von Traditionsschiffen - Anlage 4 (zu § 11 Abs. 2) [2]
  3. Verordnung über den Erwerb von Sportsee- und Sporthochseeschifferscheinen und die Besetzung von Traditionsschiffen [3]
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