Benutzer:Peter/Törnbericht Kanaren 2005

aus SkipperGuide, dem Online-Revierführer über die Segelreviere der Welt.

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Törninfos

Zeitraum: Kanaren, 19. Okt. - 29. Okt. 2005

Schiff: EL CILANTRO, Oceanis 393, ECC-Yachtcharter

Revierinfos:

Missweisung: 7°W (-7°)

Tidal Streams: "insignificant"

Ps kanaren 2006 uebersicht.png
Mittwoch, 19. Oktober 2005 (Ankunft auf Teneriffa)

Ankunft auf Teneriffa. Nach ca. 5 Stunden Flug erreichen wir Teneriffa. Der Flieger durchfliegt das Seegebiet zwischen Gran Canaria und Teneriffa. Voller Vorfreude und Interesse dränge ich mich ans Flugzeugfenster, um von oben schon die weißen Schaumkronen der Wellen auszumachen - Fehlanzeige, offenbar ist die Sicht zu schlecht oder die Flugzeugscheiben sind nicht klar genug (komisch eigentlich, über dem Mittelmeer lassen sich die Schaumkronen immer hervorragend entdecken).

Die kanarischen Inseln gelten als Starkwindrevier - besonders die Durchfahrt zwischen Gran Canaria und Teneriffa ist berüchtigt, weil aufgrund der hohen Berge starke Düsen- und Kapeffekte auftreten können, wodurch der Wind stellenweise bis auf Sturmstärke verstärkt wird. Der Wind auf den Kanaren wird maßgeblich durch den Passat bestimmt - jenem konstantem Wind aus Nord-Ost der Stärke 4-5 Bft., der nahezu ganzjährig bläst und nur im Frühjahr und Herbst seine Kraft geringfügig reduziert. Die besagte Meerenge ist auch wegen folgender Tatsache berüchtigt: die Dünung des Atlantiks kann sich über tausende Seemeilen freier Seefläche aufbauen und trifft anschließend auf die Kanaren. Sportliches Hochseesegeln ist somit garantiert.

Mit entsprechendem Respekt erfolgten die Törnvorbereitungen. So legten wir Wert auf Automatikwesten, die in spanischen Gewässern auf Charteryachten nicht selbstverständlich sind. Zum Leidwesen des ein oder anderen Mitseglers drängte ich als fanatischer Skipper alle dazu, geeignete Bekleidung, d.h. Regenzeug und vor allem Gummistiefel in die sowieso schon überpackten Taschen zu quetschen (Jeder Törn hat sein eigenes Dauerthema - während es beim letzten Törn die Bordtoiletten waren, waren es diesmal eben diese Gummistiefel - ein Thema zumindest, mit dem ich im Laufe des Törns diverse Male konfrontiert war ;-) )

Marina del Atlantico

In Teneriffa Süd gelandet, schlug uns schwüle Hitze entgegen. Der Rest ging zügig, die Entscheidung, den Transfer des Vercharterers in Anspruch zu nehmen, erwies sich als stressfreie Lösung. Wenig später saßen wir im Kleinbus und fuhren die Küstenstraße in Richtung Norden (Santa Cruz), mit Blick auf die glatte See und Gran Canaria (wo waren noch gleich die tückischen Winddüsen?). Nach ca. 45 Minuten erreichten wir die Marina del Atlantico von Santa Cruz. Das Schiff war neu (Baujahr 2003), es strahlte geradezu. Viele kleine Details zeigten, dass eine Oceanis eben etwas anderes als eine Bavaria ist. Nicht, dass etwas gegen Bavaria spricht, aber da fast jedes bezahlbare Charterschiff eine Bavaria ist, ist eine Oceanis mal eine nette Abwechslung.

Cockpit der El Cilantro

Das Einkaufen wird noch am selben Tag von sprachkundigen Mitgliedern der Crew erledigt, die sich unerschrocken in unbekanntes Territorium hineinwagten und erfolgreich und vollbeladen mit den notwendigsten Proviant (z.B. luftgetrocknete Serrano) zurückkehrten. Der Vercharterer ist so freundlich, ein paar von uns zum nächsten Supermarkt zu fahren, der Rücktransport wird mit Taxen organisiert. Leicht irritierend, dass man den Supermarkt nicht zu Fuß erreichen konnte, stellte sich die Entscheidung als goldrichtig heraus - die Supermarkt-Infrastruktur ist auf Teneriffa und La Gomera nicht optimal.

Plan für den nächsten Tag: Aufbruch in Richtung Süden (Radazul oder eventuell Los Cristianos), vorher noch die Sicherheitseinweisungen abschließen und die Schiffsübernahme beenden.

Donnerstag, 20. Oktober 2005 (Santa Cruz de TenerifeRadazul)

Die Windvorhersage klingt vorteilhaft: die nächsten Tage noch leichter Nordwind bei 10-15km/h (2-3 Bft.), im weiteren Verlauf dann zunehmend auf 4 Bft. D.h. wir können die berüchtigte Meerenge bei leichten Winden (durch die Düsen zu angenehmen Segelwind verstärkt) passieren und bekommen später, wenn sich alle an das Schiff gewöhnt haben, bessere, sportliche Verhältnisse.

1020: Auslaufen Richtung Radazul. Kurze Zeit später Segel gesetzt. Bei einem SE 1-2 dümpeln wir gemächlich Richtung Süden. Damit wird schnell klar, der nächste Hafen wird Radazul. Gegen Mittag werden bei leichten Winden ein paar Manöver geübt, bis wir gegen 1600 die 7 sm Luftline nach Radazul fast überwunden haben. Segel bergen und den Motor starten.

Zum Shopping Center nur 500m 360m Luftlinie...

Gegen 1630 liegen wir fest in Radazul. Einer tückischen Kante des Tankstellenpiers, gepaart mit einem ungünstigem Wasserstand und einem engen Liegeplatz verdanken wir zum krönenden Abschluss eine hässliche Schramme in der Bordwand, welche meine Stimmung in dem sonst nahezu perfektem Setting nicht unwesentlich reduziert.

Nach Aussage des Hafenmeisters soll sich der nächste Supermarkt ca. 500m Luftlinie von der Marina entfernt befinden - allerdings sind es ca. 300m horizontal und 200m vertikal (Anmerkung der mathematische Redaktion, wovon es derer zwei an Bord gab: Das wären nach Pythagoras (300^2+200^2)^0,5 = 360m Luftline). Ein Einkaufstrupp begibt sich auf den anstrengen Weg, die Steilwand zu überwinden... um festzustellen, dass offenbar seit Jahren kein Supermarkt mehr an besagter Stelle existiert.

Den Abend verbringen wir auf dem Marina-Gelände in einer Bar. Dort gibt es sicherlich nicht das beste Essen, aber das benachbarte Restaurant öffnet erst um 2100 Uhr und die lange Wartezeit wäre inakzeptabel.

Trip:  12,6 sm
Total: 12,6 sm

Am nächsten Tag wollen wir zu Teneriffas Südküste. Das bedeutet frühes Aufstehen! Auslaufen ist für 0730 geplant. Bei den Winden erreicht man in Frage kommende Häfen sowieso nur knapp bei Tageslicht, ein Ausweichen auf andere Marinas muss außerdem immer eingeplant werden. Notfallplan: Nachtfahrt, falls sonst nichts klappt.

Freitag, 21. Oktober 2005 (Radazul - Los Gigantes)

0735: Leinen los! Es ist noch dunkel, das Morgengrauen zeichnet sich jedoch bereits am Horizont ab. Es ist nahezu Windstill, der Himmel ist klar, nur in weiter Ferne erkennt man dichte Cumulus am Horizont. Irgendwann bricht die Sonne durch. Wie immer ein erhebender Moment und ein einmaliges Naturschauspiel.

Im Laufe des Vormittags schwacher Wind bei 2-3 kn. Einige Zeit später versuchen wir in Landnähe etwas mehr Wind zu finden. Es klappt. Gegen 1000 setzen wir Segel bei 9kn-Wind aus S-SW und kreuzen bis ca. 1500 hart am Wind, der beständige 3 Bft. erreicht.

Pico del Teide auf Teneriffa

1515: Vorsegel geborgen, Weiterfahrt mit Motor, um vor 1800 in Puerto Colon (zur Klarstellung: soll heissen Columbus-Hafen, nicht Grimmdarm-Hafen) sein zu können. Unterdessen versuchen wir ständig, Puerto Colon über Funk zu erreichen (wie ich im Vorfeld erfahren konnte, legen die Marineros großen Wert auf Anmeldung vor dem Einlaufen). Niemand ist über Funk zu erreichen. Zuerst vermuten wir Landabdeckung und zu große Entfernung, wir probieren es in Englisch und Spanisch. Gegen 1730 erreichen wir die Marina über Handy und erfahren, dass der Hafen voll ist. Neues Ziel: Los Gigantes (könnten wir noch bei Dämmerung erreichen), selbes Spiel der Kontaktaufnahme. Diesmal gelingt es uns weder über Funk, noch über Telefon. Gegen 2030 erreichen wir Los Gigantes. Es ist noch nicht ganz dunkel, als wir am Tankstellenpier festmachen. Das Hafenmeister-Büro ist verlassen, zwei Polizisten weisen uns aber netterweise einen (den letzten) Liegeplatz zu. Trotz fehlender Mooring gelingt es, dass Schiff soweit festzumachen, dass man halbwegs gut schlafen kann.

Blick auf die Hafenpromenade von Los Gigantes

Das Essen wird in einem der zahlreichen Restaurants an der Hafenpromenade eingenommen. Es schmeckt (entgegen ersten Befürchtungen wegen des sehr touristischen Eindrucks) hervorragend.

Trip:   89,0 sm
Total: 101,6 sm
Samstag, 22. Oktober 2005 (Los Gigantes - San Sebastian/La Gomera)

Ziel: San Sebastian auf La Gomera. Die Entfernung von 17 sm lässt sich bequem bewältigen, so dass ein frühes Auslaufen nicht notwendig ist. Zeit genug, die sanitären Einrichtungen zu nutzen. Nach einer Begegnung dort mit den größten Kakarlaken, die ich in meinem Leben gesehen habe, vergeht mir jedoch spontan die Lust auf eine Dusche - vielleicht bin ich einfach etwas zu pingelig.

Die Hafenmeisterin wirkte mürrisch, als wir die Formalitäten bzgl. Liegeplatz klären wollten. Erst, nachdem wir ihr erklärt haben, dass wir intensiv die Kontaktaufnahme versucht haben und am Abend von den Polizisten eingewiesen wurden, nachdem wir das Büro verwaist vorgefunden hatten, schien sie ihre Miesmutigkeit gegen die Polizisten zu richten und wirkte etwas weniger abweisend.

Blauwasser-Segeln

1245 laufen wir aus. Wir haben leichten Wind aus SW, das Seegebiet zwischen Teneriffa und La Gomera soll jedoch auch für die Düse berüchtigt sein. Im Revierhandbuch an Bord des Schiffes findet man in einer Übersichtkarte mit den Düsen im Bereich der Küste La Gomeras einen Bleistifteintrag "DEATH".

Flautenschieber

Unter Segeln dümpeln wir 90 Minuten später zwischen Teneriffa und La Gomera. Offenbar wird auch im Bereich der Steilküsten vor Los Gigantes der Wind verstärkt, zwischen den Inseln jedoch herrscht aktuell Flaute. Beigedreht wird eine Badepause auf über 1000m Wassertiefe eingelegt.

Gegen 1500 Motor an. Immer noch Flaute, dafür scheint der Kanarenstrom zu wirken - er setzt mit ca. 1kn nach Süd.

Gegen 1640, näher an der Küste La Gomeras, etwa in dem Bereich, der im Revierhandbuch mit "Death" bezeichnet wurde (der Todeszone) frischt der Wind auf, mit 11-17kn (das sind 4-5 Bft.) kommt er nun aus NW und gönnt uns einen flotten Halbwind- bis Raumschotskurs. Gegen 1830 müssen wir bei 19kn Wind (einem guten 5er) die Segel leider bergen, weil die Ansteuerung von San Sebastian beginnt. Die Düsenwirkung dieser Stelle wird nun langsam deutlich - während draußen fast Flaute herrschte, gab es hier besten Segelwind. Bei Passat dürfte man hier gut was auf die Mütze bekommen.

Um 1915 machen wir fest in San Sebastian. Ein Marinero weißt uns direkt einen Liegeplatz zu, alles geht problemlos. Die Marina ist modern und macht einen guten Eindruck. San Sebastian selbst wirkt so viel anders als die Touristen-Orte Teneriffas. Vielversprechend. Was sich jedoch als problematischer herausstellt: die gastronomische Versorgung in diesem kleinen Ort ist deutlich geringer als in Los Gigantes. Das nette, ursprüngliche Restaurant an der Hafenpromenade, auf das man immer hofft, gibt es nicht.

Trip:   30,0 sm
Total: 131,6 sm
Sonntag, 23. Oktober 2005 (San Sebastian - Valle Gran Rey)


In der Marina von San Sebastian hängt ein aktueller Wetterbericht aus dem Internet aus - die brauchbarste Wettervorhersage seit der Ankunft auf den Kanaren. Die Tage zuvor mussten wir unser Informationsbedürfnis aus Zeitungen befriedigen, deren Wettervorhersagen relativ allgemein sind: An Windstärken werden nur drei Ausprägungen angegeben "suave", "moderato" und "fuerte", für die Wellenhöhe gibt es immerhin 4 Vorhersagestufen.

Leider wird der Wind nicht stärker dadurch, dass man sich die Großwetterlage anschauen kann: Hochkeil nördlich der Kanaren, schwacher Wind aus NE, See 1m. Wir planen einen Trip nach Valle Gran Rey oder zu einer Anker-Bucht auf dem Weg dahin. Im Windschatten von La Gomera ist dementsprechend mit noch weniger Wind zu rechnen. Nichts desto trotz laufen wir um 0945 aus. Vor der Einfahrt herrscht viel Fährverkehr und die "Todeszone" zeigt sich wieder von ihrer angenehmen Seite: NE 15-19 kn, das ist ein guter 5er. Schnell die Segel hoch!

Auf dem Weg nach Süden dreht der Wind zunehmend und wird schwächer. Gegen Mittag herrschen 6kn aus NW, um 1400 haben wir 9kn aus SW. Es sind noch knapp 9sm bis Valle Gran Rey.

Südküste La Gomeras

Das Seegebiet zwischen Teneriffa und La Gomera sowie südlich von La Gomera soll sehr beliebt bei Meeressäugern sein. Und tatsächlich - gegen 1440 der erste Wal: von weitem konnte man kurz einen kurzen Atemstoß und den Rücken des Tieres sehen. Danach können wir i h n leider kein zweites Mal ausmachen. Dafür gab es um 1600 die zweite Begegnung: eine sehr große Delfinschule passierte uns achteraus. Einige Tiere vollführten richtige Luftsprünge. Obwohl ich schon bei diversen Törns Delfinen begegnet bin, konnte ich hier das erste Mal beobachten, wie die Tiere komplett aus dem Wasser gesprungen sind und sich in der Luft sogar noch drehten.

Ankerbucht vor Valle Gran Rey

Um 1700 bergen wir die Segel und tuckern nach Valle Gran Rey. Der Revierführer weist auf das enge, flache Hafenwasser hin und den begrenzten Platz für Yachten an einem Pier. Tatsächlich sieht die Sache aber noch schlimmer aus: ein paar Yachten liegen vor Buganker (der in dem Hafenboden nur schlecht halten soll) und sind mit langen Heckleinen am Pier fest, so dass ein Landgang nur über ein Dinghi-Shuttle möglich ist. Alles nicht sehr vertrauenserweckend. Weil meine eigene Erholung ein - von der Crew als untergeordnet eingestuftes (Anm. eines Mitseglers) - Teilziel des Urlaubs sein soll, entscheiden wir uns für die Bucht direkt vor der Hafeneinfahrt. Dort ankern bereits einige Yachten auf 6-8m Wassertiefe. Bei dieser Witterung ein perfekter Ankerplatz. Der Anker hält bombenfest. Ein größeres Problem stellt jedoch der Landgang dar: bis zum Strand sind es ca. 500m, unser Dinghi fasst nur 4 Personen und wir haben keinen AB dabei. Zweimal paddeln? Schwimmen? Egal, erstmal den Abend genießen.

Trip:   33,7 sm
Total: 165,3 sm
Montag, 24.10.2005 (Landtag Valle Gran Rey)
Ankeridylle

Die Nacht vor Anker war ruhig. Das Schiff schwojte um 90°, was vermutlich mit dem leichten Flut-/Ebbstrom zu tun hatte. Wir lassen den Tag ruhig angehen. Geplant ist ein Landtag mit Wanderung, Baden oder Kneipen und - wenn das Wetter es zulässt - ein gemeinsames Abendessen an Land. Gegen 1700 wollen wir - mit Blick auf das Wetter - entscheiden.

Landgang

Vorher besteht aber das Problem des Landganges. Dank einer wasserdichten Tasche und zwei selbstlosen Schwimmern kommen alle mit einer Fuhre an Land. Obwohl die See ausgesprochen ruhig ist, beschert die noch sehr leichte Brandung immerhin noch nasse Hintern. ´

Der Ort Valle Gran Rey ist sehr nett. Während der Teil Puerto Vueltas, wo auch der Hafen ist, recht ursprünglich aber durchaus einladend wirkt, ist der weitere Teil touristisch geprägt. Allerdings handelt es sich um einen eher alternativen Tourismus, der auf klotzige Bettenburgen verzichtet.

Blick von Oben
Strand

Wir teilen uns auf - ein Teil stürmt zum Strand, ein anderer geht auf Erkundungstour, und ich entscheide mich, mal meinen Höhenmesser auszuprobieren, in dem ich auf einen der umgebenden Berge steige. Bei der Hitze ist es eine Schweißtreibende, aber effiziente Wanderung. Aufgrund des steilen Weges erreicht man in kaum 70 Minuten das Hochplateau auf 600-800m Höhe. Ganz oben auf dem Gipfel hat man einen herrlichen Ausblick und kann in der Ferne La Palma und El Hierro ausmachen. An der Nordseite La Gomeras meine ich auch, Schaumkronen ausmachen zu können - Wind!

Zurück im Ort gönne ich mir erstmal ein "La Gomera"-T-Shirt. Weniger als Souvenir, sondern eher aus der Notwendigkeit heraus, dass mein anderes T-Shirt nicht zuletzt durch die kleine Wanderung langsam den Status "Sondermüll" bekommt.

Nach und nach treffen sich alle wieder zusammen. Entlang der Strandpromenade begeben wir uns auf die Suche nach einem brauchbaren Restaurant. Wir bleiben bei einem Restaurant mit netter Terrasse und Blick auf den Atlantik, obwohl (sonst ein sicheres Warnzeichen) Bilder der Speisen im Fenster ausgestellt waren. Die Entscheidung stellte sich aber als gut heraus, das Essen war ausgezeichnet (muss ich jetzt etwa tatsächlich meine wohlkultivierten Vorurteile überdenken?).

Zum krönenden Abschluss steht noch die Herausforderung bevor, wieder sicher zum Schiff zurückzufinden. Wir entschieden uns für zwei Staffeln - die erste 4-Personen-Vorhut mit Dinghi und spätere Nachrücker, die vorher noch schnell das Nachtleben des Ortes evaluieren wollen. Alles klappt irgendwie, allerdings bleibt wieder einmal kein Hintern trocken. Eine Taschenlampe, die ich vor Abfahrt am Schiff festgemacht habe, leistet gute Dienste unser Schiff von den mittlerweile 8 anderen Ankerliegern unterscheiden zu können. Glücklicherweise gibt es auch keine nennenswerte Strömungen oder ablandigen Wind.

Trip:    0,0 sm
Total: 165,3 sm
Dienstag, 25. Oktober 2005 (Valle Gran Rey - San Sebastian)

Tagesziel: Back to San Sebastian, aber diesmal entlang der Nordküste - dort, wo ich am Vortag bereits die Schaumkronen ausmachen konnte. Die Zeitung verspricht mal wieder schwache NE-Winde. Mit dem ersten Tageslicht um 0830 legen wir ab. Der Wind ist wechselhaft und kommt mit 2-9kn aus den verschiedensten Richtungen. Gegen 1000 wird er konstanter und weht mit 10-12kn aus NE. Segel rauf und hart am Wind kreuzen! Bei gutem Wind segeln wir recht sportlich in Richtung Norden. Trotz gutem Wind lassen die Windverhältnisse es zu, sich Pta del Organo anzunähern. Laut Revierführer handelt es sich dabei um eine mächtige Kalksteinformation in Form von Orgelpfeifen. Um 1420 erreichen wir die besagte Stelle - von mächtig kann jedoch keine Rede sein, der Revierführer übertreibt maßlos.

Da der Wind gegenan kommt und zunehmend nachlässt, ist mal wieder der Motor an der Reihe, damit wir nicht zu spät in San Sebastian ankommen. Um 1530 nimmt der Wind wieder zu. Bei 8kn wahren Wind setzen wir Segel, woraufhin der Wind schlagartig auf 4kn nachlässt. Also wieder Motor an. In der "Todeszone" herrscht heute absolute Flaute. Dafür ist der Süden Teneriffas wolkenlos und erlaubt einen ungestörten Blick auf den Pico del Teide.

Kurz vor 1800 machen wir in San Sebastian fest. Zuerst bekommen wir einen Platz am Pier nahe der Tankstelle und direkt in der Hafeneinfahrt zugewiesen. Der Hafenmeister bietet uns jedoch später einen Schwimmsteg an (wenn wir bereit sind, für 15m zu bezahlen). Ein Angebot, was wir gerne annehmen.

Trip:   62,2 sm
Total: 227,5 sm
Mittwoch, 26. Oktober 2005 (Lustsegeln vor San Sebastian)

Planung: Mittags auslaufen und einfach nur Segeln. Bis Freitag in San Sebastian bleiben um dann ohne größere Probleme nach Los Gigantes zur Rückgabe des Bootes zu segeln.

Delfine
Delfine

Endlich haben wir auch wieder einen richtigen Wetterbericht und - überraschenderweise - auch eine Wetteränderung: In ca. 48h dürfte eine Kaltfront über uns hinweg ziehen, danach sollte mit südlichen Winden gerechnet werden, die jedoch unverständlicherweise mit 30-35kn angegeben sind. Eine Internet-Recherche konnte die Starkwind-Vorhersage nicht erhärten, ebenso wäre es aufgrund des Isobarenabstandes auf der Wetterkarte unlogisch gewesen.

Um 1130 verlassen wir die Marina bei 10-15kn Wind und genießen schönes, sportliches Segeln in der "Todeszone" bei bis zu 20kn Wind. Um 1430 kommen Delfine. Diesmal passieren sie nicht unser Heckwasser in einiger Entfernung, sondern folgen uns. Es ist eine riesige Schule mit mindestens 40 Tieren. Sie schwimmmen von allen Seiten um das Schiff, folgen uns sogar am Heck und lassen sich netterweise noch filmen (für gewöhnlich verschwinden alle Tiere und Naturschauspiele, sobald eine Videokamera betriebsbereit ist). Gegen 1500 machen sie Kaffeepause und verschwinden, um eine Dreiviertelstunde später wieder aufzutauchen.

Nach herrlichem und eindrucksvollem Segeln bergen wir die Lappen und sind um 1730 wieder fest im Hafen.

Trip:   40,5 sm
Total: 268,0 sm

maximaler Wind: 22,6 kn

So langsam beginnt die Wetteränderung: das Barometer fällt auf 1011 (von den sonst üblichen 1018-1020), die Sonne verschwindet langsam hinter zunehmenden Cirren und der Wind dreht auf Süd, frischt im Hafen auf 12-15kn auf. Alles sieht eher nach einer Warm- anstatt der vorhergesagten Kaltfront aus.

Donnerstag, 27. Oktober 2005 (Landtag San Sebastian)

Perfektes Timing - trotz vorhergesagtem Frontendurchgang haben wir uns für einen Hafentag entschieden. Allerdings war es eher eine Entscheidung aus Lethargie, denn aus Aktionismus. Am Abend ist für uns ein Tisch reserviert, bis dahin wird die Zeit irgendwie verbracht. Nach einem Frühstück in einem Cafe auf dem Marktplatz von San Sebastian wird sich erstmal an Bord erholt, um neu gestärkt den Ort zu erkunden. Da dieser jedoch nicht sonderlich groß ist, ist es in einer Stunde erledigt, so dass danach noch etwas Zeit für Müßiggang bleibt. Letztendlich treffen wir uns - lange vor der vereinbarten Zeit - auf dem Marktplatz. Endlich komme ich auch zu meinem Gin Tonic, der mir aus Nostalgiegründen und in Erinnerung an eine "Strandung" in La Coruna sehr wichtig ist. Die ganzen Tage zuvor bestand keine richtige Gelegenheit hierzu.

Der Durchzug der angeblichen Kaltfront ist interessant: zunehmende Cirrostratus, Baro fällt auf 1010, leicher Niesel, Baro steigt. Nachts Aufklarung mit Stratocumulus. Kurz Regen, dann Aufheiterung. Baro steigt bis zum Morgen auf 1015. Vom Wettergeschehen hätte ich eher auf eine Warmfront getippt.

Freitag, 28. Oktober 2005 (San Sebastian - Los Gigantes)

Plan: Auslaufen kurz nach 0900, hier tanken und nach Möglichkeit um HW gegen 1127 in Los Gigantes sein (die Einfahrt in Los Gigantes ist stellenweise sehr flach, beim letzten Mal - allerdings bei setzender Ebbe - hatten wir zeitweise nur noch 0,3m unterm Kiel, also eine Wassertiefe von nur 2,3m).

0915 Tanken, 0945 auslaufen, 1000 Segel gesetzt. Frischer Wind mit 15-20kn aus Nord - ein schöner 5er. Dazu gibt es ein bisschen Welle (0,5m Windsee), aber vorerst keine Dünung.

Weil sich voraus ein noch stärkeres Windfeld abzeichnet, verlangt Skipper Hasenfuss das Anlegen von Lifebelts und Westen (Hey - wenn wir sie schon an Bord hatten, sollten wir sie doch auch wenigstens einmal nutzen, oder?).

Stillleben eines Segeltages

Um 1045 haben wir die Abdeckung von La Gomera verlassen. Eine Dünung aus NW kommt angerollt, sie hat eine Höhe von etwa 1,0-1,5m, der Wind ist konstant. Auch wenn die Verhältnisse sehr gemäßigt sind, kommt endlich mal richtiges Atlantikfeeling auf - diese lange, beständige Dünung hat mich nicht mehr losgelassen seit ich sie das erste Mal in der Biskaya erleben durfte.

Ein bisschen Sorgen macht mir hingegen die Einfahrt von Los Gigantes. Der Revierführer empfiehlt, die Einfahrt bei stärkerem Seegang aus nördlichen Richtungen zu meiden - außer, man ist erfahren im "whitewater-rafting". Was sind "größere Wellen"? 1m? 2m? 3m? Ein Schild, dass wir beim letzten Aufenthalt in Los Gigantes gesehen haben, stimmt eher nachdenklich - es zeigte, wie die Wellen über den Hafenmauer brechen können und Leute überschwemmen. Entsprechende Bilder waren auch im abendlichen Restaurant zu bewundern, wo die Dünung deutlich über Masthöhe gebrochen war... Es bleibt aber keine Alternative und der Vercharterer versichert uns, dass die Einfahrt bei diesen Verhältnissen unkritisch ist.

Back in Los Gigantes

Um 1300 Uhr stehen wir vor der Küste Teneriffas. Der Wind ist wegen der Landabdeckung schwach - 5kn, dafür haben wir eine vernünftige Dünung von bis zu 2m. Schade, dass gerade jetzt der Törn zu Ende geht. Die Einfahrt in Los Gigantes ist unproblematisch, obwohl der Schwell nicht zu übersehen ist und auch für einen spürbaren Sog sorgt. Bei richtiger Dünung dürfte die Ansteuerung spannend sein (Besonders tückisch: die Wassertiefe nimmt bei der Hafeneinfahrt schnell ab, d.h. es kann zu Grundseen kommen und der Manöverraum ist begrenzt). Es ist 2h nach HW, die Einfahrtstiefe hatte im Minimum 3m WT. Bei Ebbe und Seegang sollte man sich die Einfahrt überlegen.

Schild

Der letzte Tag. Ich nutze die Zeit für einen Spaziergang auf den Hügel, an dessen Flanke der Ort gebaut ist. Leider geht die Straße irgendwann in eine Landstraße über, an der das Weiterkommen wegen fehlender Fußwege lebensgefährlich wird. Ich biege noch in eine Seitenstraße, entlang einer

Bananenplantage ein und gehe ein Stück, bis es nicht weiter geht. Nun gut, soll auch erstmal reichen. Der Tag klingt mit einem letzten Essen in einem der Restaurants an der Promenade aus.

Trip: 24,3 sm
Total 292,3 sm
Samstag, 29. Oktober 2005 (Abreise)
Gepäck

Abreisetag. Der Vercharterer kommt mit Sonnenaufgang zur Bootsübergabe. Alles geht schnell und unproblematisch vonstatten, eine mitgereiste Putzkolonne übernimmt die Endreinigung (es ist eine hervorragende Sache, die Endreinigung nicht selber machen zu müssen). Unser Gepäck dürfen wir nach Nachfrage im Gepäckraum eines nahen Hotels unterstellen. Unser Flug geht nachmittags, so das der Vormittag noch sinnvoll genutzt werden kann. Da wäre das Gepäck nur ein Klotz am Bein.

Die einen nutzen die Zeit, den beim Törn zu kurz gekommenen Badeurlaub nachzuholen, die anderen, sich ein original English Breakfast unter der Sonne der Kanaren zu gönnen. Hierzu muss man wissen, das Los Gigantes fest in englischer Hand ist und ein nennenswerter Teil der Gastronomie britisch ist , bis hin zu extra aus England importierten Fisch für das Nationalgericht, in Ablehnung des hervorragende einheimischen Angebots an Schuppentiere... .

Irgendwann berechen wir mit 2 Taxen zum Flughafen auf. Es ist noch 1h Zeit, letzte Eindrücke der Insel aufzunehmen, dann stehen wir in der klimatisierten Halle des Flughafens - zusammen mit einer großen Zahl Pauschalurlaubern, was auf mich sehr befremdlich wirkt.

Der Flug zieht sich. Er wird mit Schwarzenneggers Weihnachtsklamotte "Versprochen ist versprochen" untermalt und endet mit den für Charterflüge typischen Beifallklatschen nach der Landung. In München ist es dunkel und kalt... und es gibt Wind...

(c) Peter Schrey 2006
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