Festmachen an einer Boje

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Allgemeines

Bojen werden einerseits als freie Mooring-Bojen eingesetzt, andererseits als Heckbojen in Häfen. Freie Bojen sind denselben Belastungen ausgesetzt wie ein Ankergeschirr, bei Heckbojen im Hafen sind diese Belastungen wegen der geschützten Lage erheblich geringer. Das Grundgeschirr von Hafenbojen ist deswegen auch deutlich knapper dimensioniert als das von freien Bojen.

Das Festmachen an einer freien Mooring-Boje für eine kurzen Zeitraum und bei anhaltender Aufmerksamkeit der Crew kann intuitiv mit einer Leine erfolgen, die einmal durch den Befestigungsring der Boje gezogen, an Bord zurückgeführt und dort auf einer Klampe belegt wird.

Bei einem längeren Liegen an einer Mooring-Boje, z.B. über Nacht, sollte im Sinne guter Seemannschaft allerdings grössere Vorsicht angewendet werden. Dies Betrifft:

[Bearbeiten] Die Mooring-Boje selbst und ihre Verankerung

Nicht in jedem Fall werden Mooring-Bojen und ihre Befestigung an Grund ausreichend sorgfältig und regelmässig überprüft. Auch der Ring zum Festmachen auf der Boje muss Sicher mit der Befestigung im Grund verbunden und für die erwarteten Kräfte ausgelegt sein. Eine Kunststofföse ohne Verstärkung wird kaum mögliche ruckartige Kräfte aushalten, die z.B. durch die Bugwelle eines vorbeifahrenden grösseren Schiffs bewirkt werden könnten. Eine professionelle Skepsis ist durchaus angebracht. Bei unzureichender Sicherheit über die tatsächliche Belastbarkeit der Mooring-Boje und zur Sicherheit sollte man sich deshalb am besten selbst vergewissern. Das kann bei geeigneten Bedingungen durch eine genauere Augenscheinnahme beim Abtauchen der Mooring erfolgen. Bei anhaltendem Zweifel kann es notwendig werden sich nicht vollständig auf die Befestigung der Mooring-Boje zu verlassen. Mögliche Maßnahmen können der alternative oder zusätzlich Einsatz eines Ankers oder zumindest ähnlich wie beim Ankern ein eingeschalteter Ankeralarm zur Überwachung der Position an der Mooring-Boje sein.

[Bearbeiten] Eine über längere Zeit sichere Verbindung von der Mooring-Boje zum Schiff

Im Prinzip müssen über längere Zeiträume andauernde Bewegungen des Schiffs an der Mooring-Boje erwartet werden. Der Einsatz einer Festmacherleine und der Auftrieb in der Mooring-Boje können im begrenzten Umfang zur Ruckdämpfung beitragen. Bei andauernder Bewegung z.B. im Verlauf einer Nacht können aber selbst dickere Festmacherleinen durchscheuern oder ihre anfängliche Belastbarkeit einbüßen. Die Gefahr des Scheuerns besteht an Deckskanten und insbesondere an der Durchführung einer Festmacherleine durch einen Befestigungsring. Die einfache Durchführung der Leine durch einen Ring sollte deshalb nur für kurzes Festmachen als sicher angesehen werden. Gerade wenn die Leine vollständig zum Schiff zurückgeführt wird, können die Schiffsbewegungen unter Zug ein Seil am Ring durcharbeiten. Die Seilbewegung am Befestigungspunkt kann durch 1½ Rundtörn und eine feste Seilschlaufe deutlich verringert werden.

Als weitere Sicherheit kann mit zwei Leinen, d.h. von beiden Bugklampen zur Boje festgemacht werden und zusätzlich wie beim Ankern ein GPS-Ankeralarm eingeschaltet werden, um beim Abtreiben von der ursprünglichen Position der Boje eine Warnung zu erhalten.

[Bearbeiten] Wasserpalstek und anderthalb Rundtörn

Eine Verbindung vom Schiff zum Ring einer Mooring-Boje, die für Übernachtung meist geeignet ist, kann durch 1½ Rundtörn und einen Wasserpalstek gebildet werden. Die 1½ Rundtörn am Ring und der Webeleinenstek im Wasserpalstek erhöhen die Reibung, führen so zu geringerer Beweglichkeit in den Knotenpunkten der Seilverbindung. Der Wasserpalstek und die durch ihn gebildete Schlaufe bleiben auch unter wechselnden Belastungen und bei feuchten Seilen fest und führen so zu höherer Sicherheit. Im Gegensatz hierzu können sich eine offene Schlaufe (nur ½ Rundtörn) und ein einfacher Palstek bei andauernder Bewegung über die Zeit losarbeiten. Zu guter Letzt gilt es ein Scheuern an Deckskanten mit einem Schlauchstück zu verhindern.

[Bearbeiten] Ausführung

Wasserpalstek01.jpeg Das lose Ende durch den Ring an der Mooring-Boje führen. Dies entspricht einem halben Rundtörn.
Wasserpalstek02.jpeg Nun führt man das lose Ende noch einmal durch den Ring. Es sind anderthalb Rundtörn entstanden.
Wasserpalstek03.jpeg Seil ein bis zwei Meter weit durch den Ring durchziehen und zurück an Bord führen, so dass der Wasserpalstek leicht an Bord geknüpft und später nach dem Einholen an Bord (und nicht über dem Wasser hängend) auch wieder gelöst werden kann.

Wasserpalstek mit zwei Schlaufen in der stehenden Part beginnen.

Wasserpalstek04.jpeg Beide Schlaufen gegeneinander versetzt übereinander legen, so dass aus beiden Schlaufen zusammen eine Webeleinenstek als leeres Auge für den Wasserpalstek entsteht.
Wasserpalstek05.jpeg Loses Ende von der Boje kommend unten durch den Webeleinenstek führen.
Wasserpalstek06.jpeg Das Ende auf der Seite, an der der untere Teil der stehende Part zur Boje läuft um den oberen Teil der stehenden Part herum und parallel durch den Webeleinenstek zurück nach unten führen.
Wasserpalstek07.jpeg Der Wasserpalstek bildet eine lange und feste Schlaufe, die an ihrem Ende mit anderthalb Rundtörn an dem Ring der Mooring-Boje befestigt ist und kaum Bewegung am Befestigungspunkt zulässt.
Wasserpalstek08.jpeg Wasserpalstek an allen vier Seilausgängen sorgfältig festziehen. Im Kern des Wasserpalsteks baut der zugezogene Webeleinstek zusätzliche Reibung auf. Im Gegsatz zu einer einfachen Schlaufe im normalen Palstek bildet der Webeleinenstek im Wasserpalstek ein Auge, das auch bei wechselnden Belastungen fest hält.
Wasserpalstek09.jpeg Der Wasserpalstek kann jetzt über die Bordwand gefiert werden. Gut zusammengezogen bleibt er auch im nassen Zustand ausreichend fest. Die Leine zur Boje sollte insgesamt 3,5 m lang sein und wie bei einer Ankerleine an der Bordkante gut gegen Durchscheuern geschützt werden. Weiterhin muss berücksichtigt werden, dass wie jeder Knoten auch der Wasserpalstek die Bruchlast der Leine auf ca. die Hälfte reduziert.

[Bearbeiten] Literatur

The Ashley Book of Knots, #1012, Water Bowline

Tom Cunliff: The Complete Ocean Skipper, Moorings


[Bearbeiten] Bojenhaken

Bei Heckbojen kommt es darauf an, während des Anlegens eine schnelle Verbindung zur Boje herstellen zu können. Nur von niedrigbordigen Schiffen aus ist es möglich, dabei eine Leine anzuknoten oder auf Slip durczuziehen. Hier kommen Bojenhaken zum Einsatz, von denen es sehr unterschiedliche Typen gibt.

  • Offener Haken: Er ist sehr schnell zu handhaben und stabil. Solange auch nur ein bisschen Kraft auf der Leine steht, kann er nicht aus dem Bojenring rutschen.
    Offener Haken
  • Haken mit Sicherungsstift: Nach dem Einhaken muss der Stift gelöst werden, damit er in die geschlossene Position springt. Dünneres Material kann leicht verbiegen.
    Haken mit Stiftsicherung
  • Klauenhaken: Kräftiger Haken mit einer Bolzensicherung. Der Bolzen muss beim Einhaken gegen Federzug offen gehalten werden. Die Bojenleine ist nicht am (oberen) Hakenende angespleisst, sondern direkt unten an der Klaue. Keine Zugbelastung auf den Hakenstock.
    Klauenhaken mit Bolzensicherung

[Bearbeiten] Bojen in verschiedenen Ländern

[Bearbeiten] Dänemark

In Dänemark liegen nur in wenigen Häfen Heckbojen zum Festmachen, ansonsten gibt es Heckpfähle. Ein bekannter Hafen mit Heckbojen ist Anholt. Dort haben die Bojen eine hochzylindrische Form und können auch mit Pfählen verwechselt werden. Ansonsten liegen in vielen Buchten an geschützten Stellen freie Mooringbojen aus., die alle eine hellgelbe Farbe haben. Sie unterscheiden sich aber grundlegend in drei Typen:

  • Vereinsbojen sind nur für Mitglieder des betreffenden Vereins. Meist ist der Vereinsname oder der Wimpel aufgedruckt.
  • DS-Bojen gehören der Dansk Sejlunion. Das ist die Vereinigung der dänischen Segelclubs, die Bojen sind nur für Mitglieder eines dieser Clubs.
  • DT_Bojen gehören den Danske Tursejlere und sind für Jedermann zugänglich.
DT-Boje

Alle diese Bojen sind mit max. 15 t belastbar.

[Bearbeiten] Deutschland

In Deutschland gibt es keine freien Mooringbojen. Heckbojen als Festmachepunkt in Häfen sind selten. Man findet sie z.B. in Darßer Ort oder in Barhöft.

[Bearbeiten] Finnland

In Finnland ist die Heckboje die übliche Festmachemethode in Häfen. Freie Mooringbojen liegen vereinzelt aus, sie gehören aber der Seglervereinigung "Merikarhut", deren Vereinsmitglieder streng darauf achten, dass diese Bojen nicht von Fremden belegt werden.

[Bearbeiten] Kroatien

[Bearbeiten] Norwegen

[Bearbeiten] Schweden

In Schweden ist die Heckboje die übliche Festmachemethode in Häfen. Vereinzelt gibt es Fingerstege und in z.B. Trosa auch Heckpfähle.

Freie Mooringbojen liegen in zahlreichen geschützten Buchten. Diese blauen Bojen gehören dem Svenska Kryssarklubben SXK und dürfennur von dessen Mitgliedern genutzt werden. Deren Belastbarkeit liegt bei 8 t.

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